Bildungsstreik – Bildungspolitische Wunderwaffe namens Bachelor!
Sie besetzen die Hörsäle, sie gehen auf die Straßen und sie sind laut. Bundesweit wehren sich weit über 10.000 Studenten gegen die derzeitigen Studienbedingungen an deutschen Hochschulen, gegen die Studiengebühren und dem vorherrschendem Chaos in der Bildungspolitik.
Als bildungspolitische Wunderwaffe wurde nach amerikanischem Vorbild im Jahre 1999 in Bologna von 29 europäischen Bildungsministern die Vereinheitlichung des europäischen Hochschulwesens beschlossen. Im Grunde hörte sich alles ganz gut an, doch an der korrekten Umsetzung scheiterte es dann an vielen Hochschulen in Deutschland. Zwar wurde die Umstellung auf einheitliche Bachelor- und Masterstudiengänge zügig vorangetrieben, doch sind die Studenten unter diesen verschulten Bedingungen und mit viel zu vielen Prüfungen nicht weiter bereit, Ruhe zu bewahren.
Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht Handlungsbedarf. Die Studenten könnten es gar nicht schaffen in vorgegebener Zeit ihr Studium abzuschließen, da die Zahl der Seminarplätze nicht ausreiche.
Verantwortlich für das ganze Durcheinander will niemand sein. Politik wie auch Hochschulen zeigen sich zwar überwiegend verständnisvoll, fordern jedoch mehr Kooperationsbereitschaft. Mit Dialogbereitschaft hätte das Besetzen von Hörsälen nichts zu tun, meint Margret Wintermantel, Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Sie verteidigte die Studienreform auf der Pressekonferenz der Hochschulrektorenkonferenz in Berlin. “Die Bologna-Reform ist keinesfalls missglückt”, meint Wintermantel in einem Interview mit dem ZDF.
Das sehen die Studenten anders. Sie wollen mehr Geld für die Hochschulen, um bessere Bildungsbedingungen zu schaffen und fordern die Abschaffung der Studiengebühren.
Für eine tatsächliche Demokratie ist unsere Forderung nach einem frei zugänglichen, öffentlich finanzierten und emanzipatorisch ausgerichteten Bildungssystem unerlässlich. www.bildungsstreik.net
Erste Reaktionen von Politik und Hochschulen
Lutz Stratmann (CDU) kündigte Reformen bei den Bachelor-Studiengängen an. “Wir brauchen wieder mehr Mobilität. Der Wechsel der Hochschulstandorte muss wieder eher möglich sein.”, so der niedersächsische Wissenschaftsminister. Auch die Verringerung der Prüfungsdichte versprach Stratmann den Studenten. Um den Bachelor-Abschluss aufzuwerten, soll es künftig mehr achtsemestrige Bachelor-Studiengänge geben.
Für die Zeit vom 30. November bis zum 6. Dezember planen die Organisatoren der Proteste eine Aktionswoche. Zur Kultusministerkonferenz am 10. Dezember in Bonn wollen die Studenten die Zufahrtsstraßen blockieren.
26. November 2009 um 16:25
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